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Was ist ein bedingungsloses Grundeinkommen?
Gründe und Argumente
Es gibt zahlreiche Gründe, die für ein bedingungsloses Grundeinkommen sprechen. Sie betreffen ebenso zahlreiche Problemfelder:
Aus dieser Vielzahl sieht man bereits, welch vielfältige Verknüpfungen es gibt und daß es nicht sinnvoll ist, Einzelaspekte herauszulösen. Menschenwürde, Menschenrecht, GrundgesetzDie Würde des Menschen ist im deutschen Grundgesetz das höchste Gut. Deshalb wird sie gleich im ersten Artikel festgeschrieben:
Artikel 1, Abs. 1: Aus der Würde des Menschen leiten sich etliche grundlegende Freiheitsrechte ab, darunter auch die Freiheit der Berufswahl:
Artikel 12, Abs. 2+3:
Und wie sieht unsere Realität aus?
Ein bedingungsloses Grundeinkommen setzt dieser Situation ein Ende. Es wird ohne Prüfungen, Zwänge und Bedingungen ausgezahlt,
ja sogar ohne Bedürftigkeit, weil eben jeder Mensch gleich geachtet wird. Die soziale Geringachtung eines Almosenempfängers (wie bei heutigen Sozialleistungen aus "Bedürftigkeit") weicht einem gleichberechtigten Verhältnis der Menschen auf Augenhöhe.
Die Mißachtung der Menschenwürde erfolgt gewiß nicht aus bösem Willen. Sie geschieht, weil wir den Menschen aus dem Blick verloren haben.
Das bedingungslose Grundeinkommen stellt den Menschen wieder in den Mittelpunkt und kann ihm deshalb die Würde zurückgeben. Armut, soziale Ungleichheit
Deutschland gehört zu den reichsten Ländern der Welt - und doch gibt es hier Armut.
Ein Effekt des bedingungslosen Grundeinkommens ist eine etwas gerechtere Verteilung des Einkommens.
Was diese Graphik für das Vermögen darstellt, gilt in ähnlicher Weise auch für die Einkommen. Arbeitslosigkeit, Produktivität
In den 1970er Jahren begann eine Arbeitslosigkeit in Deutschland, die als drückendes Problem empfunden wurde. Es waren ein paar
hunderttausend.
Das ist nichts Schlimmes.
Schlimm ist etwas anderes:
Weil die Produktivität wächst, brauchen wir immer weniger Arbeitskräfte (hier gibt es eine ausführliche Darstellung des Zusammenhanges).
Doch statt uns darüber zu freuen, daß die Arbeit leichter und schneller zu erledigen ist, schauen wir hilflos zu, wie dieser glückliche
Umstand sich in Unglück verwandelt und die Gesellschaft spaltet in "Arbeitsplatzbesitzer" und "Sozialschmarotzer".
Das scheint selbstverständlich - ist es aber keineswegs. Viel besser ist es, sich die Arbeit und die Früchte der Arbeit zu teilen.
Wie viel verbaler und politischer Aufwand, wieviel Ressourcen sind verschwendet worden, nur weil man dem Fetisch "Arbeitsgesellschaft"
huldigte! Weil man nicht anerkennen wollte, daß Vollbeschäftigung weder realisierbar noch wünschenswert ist! Unsicherheit (Prekarität)
Viele Menschen befinden sich definitiv in einer äußerst prekären Situation, was ihre Existenzgrundlagen betrifft. Als Prekarität am Arbeitsmarkt wird die verringerte soziale Sicherheit von Beschäftigten durch systematisch leicht und kurzfristig lösbare Beschäftigungsverhältnisse bezeichnet. Die Prekarität lässt sich an der Vorkommenshäufigkeit befristeter Beschäftigungsverhältnisse, von Teilzeitstellen und anderen Arten der Beschäftigung messen, bei denen der Arbeitnehmer aufgrund der Unsicherheit, wie seine Beschäftigungskarriere fortlaufen wird, in eine sozial nachteilige Situation gerät. Die Lage des Arbeitnehmers wird in einem solchen Fall als „prekär“ bezeichnet. Der Prozess des relativen Anwachsens prekärer Arbeitsverhältnisse (also zunehmender Prekarität) wird als Prekarisierung bezeichnet.[...]
Da der Arbeitnehmer wenig bis gar keine Kontrolle über seine Arbeitssituation hat, keine sicheren, vorausschauenden Einschätzungen treffen kann und nur einen mangelhaften sozial- und arbeitsrechtlichen Schutz in Anspruch nehmen kann, drohen materielle Armut, soziale Bindungsverluste sowie eine pessimistische Zukunftssicht. Zu bemerken ist, dass die Prekarisierung seitens der Arbeitnehmer augenscheinlich negativ zu bewerten ist (vom ethischen Standpunkt aus), jedoch der rational geprägte, „lockere“ bzw. „unbeschwerte“ Umgang mit den Arbeitnehmern für die Arbeitgeber zahlreichen Nutzen birgt, beispielsweise, da sie die Mitarbeiter durch die verschärfte Konkurrenz unter diesen zeitweise motivieren und ihre Lohnvorstellungen besser durchsetzen können.
Man beachte, daß auch hier nicht von Menschen die Rede ist, sondern nur von "Arbeitnehmer" und "Arbeitgeber".
Solche Unsicherheit verschattet jede Zukunftsperspektive und zerstört die Kreativität.
Das bedingungslose Grundeinkommen mildert die soziale Unsicherheit, denn zumindest muß man keine Existenzängste mehr haben. künftige Arbeitsformen: befristet, wechselnd, unsicher, schwankendes Einkommen, nicht planbarMenschen, die in den 1950er und 1960er Jahren ihre berufliche Karriere bei einer Firma begannen, konnten häufig bis zum Renteneintritt in der gleichen Firma bleiben. Das war normal.
Heute ist das keineswegs normal.
Das Bundesarbeitsministerium hat im März 2010 bekannt gegeben, daß inzwischen die Hälfte aller neuen Arbeitsverträge befristet sind.
Der SPIEGEL hat in seiner Ausgabe Nr. 12 vom 22.3.2010 seine Titelgeschichte diesem Thema gewidmet:
"Moderne Zeiten - ausleihen, befristen, kündigen: Die neue Arbeitswelt". Daraus geht hervor, daß in den 12 Jahren von 1996 bis 2008 die
"atypische Arbeit" von 20% auf 30% aller Erwerbsarbeiter angestiegen ist. Tendenz: rasant steigend! Am weitesten verbreitet ist die atypische Arbeit in der Altersgruppe von 15-25 Jahren. Die Jugend ist am stärksten betroffen. Aus heutiger Sicht wirkt das bedrohlich. Das ist es aber vor allem deshalb, weil damit Einkommens-, d.h. Existenzängste verbunden sind. Wenn das Einkommen gesichert ist, kann man es auch positiv sehen: Gestaltungsvielfalt und leichte Anpassung an neue Gegebenheiten sind möglich. Diese Betrachtungsweise kann man sogar teilweise auf eine ganze Branche anwenden. Dann muß eine veraltete Industrie wie der Kohlebergbau nicht mehr künstlich am Leben gehalten werden (mit enormen Steuergeldern!), nur weil davon viele Arbeitsplätze abhängen.
Ein Grundeinkommen schafft hier Sicherheiten. Denn das Einkommen wird teilweise von der Arbeit entkoppelt. Kreativität und Freiheit
Arbeiten im Sinne von Tätigsein aus innerem Antrieb ist etwas sehr Schönes und Produktives. Die menschliche Kreativität kann sich ausleben,
die Menschen können innere Befriedigung aus ihrer Arbeit ziehen. Es ist eine nicht entfremdete Arbeit, sie ist eine Äußerung ihrer selbst.
Eine solche Arbeit wird gerne geleistet, der "Lohn" ist die Schönheit ihres Vollzuges, ihre Sinnhaftigkeit und ihr Ergebnis.
Eine solche Arbeit kann von einem wunderbaren Gefühl der Freiheit begleitet sein. Kreativität braucht Freiheit.
Ein großes Problem liegt darin, daß diese Formen von Arbeit miteinander vermischt sind. Wir sehen es als selbstverständlich und normal an,
daß unser Lebensunterhalt aus unserer Arbeit gewonnen wird und daß dieser deshalb der primäre Aspekt der Arbeit sei. Glücklich diejenigen,
bei denen die anderen Aspekte der Arbeit nicht zu kurz kommen! Doch häufig sind die Menschen aus materiellen Gründen unfrei. Das bedingungslose Grundeinkommen entkoppelt ein wenig diese beiden Aspekte der Arbeit, indem die blanke Notwendigkeit gemildert wird, den Lebensunterhalt "verdienen" zu müssen. Damit schafft es einen Spielraum, in dem sich Kreativität und Freiheit ausbilden können.
bezahlte und unbezahlte ArbeitUnbezahlte Arbeit wird heutzutage gering geachtet, obwohl sie unentbehrlich ist. Unsere Gesellschaft könnte ohne sie nicht existieren, ohne den freiwilligen Einsatz in Familie, Verein, Politik und menschlichem Miteinander würde sie kalt und tot. Die produktive Bedeutung für unsere Gesellschaft wird völlig unterschätzt. Ohne unbezahltes Engagement gäbe es keine Kinder und keine Zukunft.
Ohne unbezahlte Arbeit wäre unsere Gesellschaft nicht lebensfähig.
Tatsächlich wird viel mehr unbezahlte Arbeit (96 Mrd. Stunden) geleistet als bezahlte (56 Mrd. Stunden).
Wir merken nur nicht, wie wichtig sie ist, weil sie in unserem Bewußtsein so selbstverständlich ist. Auf diesem Gebiet ist die Tätigkeit
bzw. Arbeit noch nicht zur Ware heruntergekommen, sondern innig mit dem Menschlichen verbunden. Man kann nicht von einem "Arbeitsmarkt"
sprechen und es werden keine Rechnungen ausgestellt. Unsere Wirtschaftswissenschaftler ignorieren in ihrer großen Mehrheit dieses Phänomen. Folgerichtig gibt es noch nicht einmal begrifflich ein Mittel, den Wert der nicht bezahlten Arbeit richtig einzuschätzen. Ein Grundeinkommen stärkt den Bereich der unbezahlten Arbeit und wertet ihn auf. Auswirkungen auf Umwelt und Klima
Es gibt vielfach schädliche Produkte oder Produktionsmethoden. Es gibt Mitarbeiter, denen bereitet es Probleme, an etwas beteiligt zu sein,
was sie nicht gut finden. Aber sie haben keine Wahl.
historische Dividende
Der Erwerb von Einkommen und die Akkumulation von Reichtümern beruht auf vielen gesellschaftlichen Voraussetzungen.
Viele Gesellschaften und noch mehr Generationen
haben gearbeitet und gewirkt, daß die heutigen Möglichkeiten des Erwerbs überhaupt existieren. Dazu gehören z.B. das Rechtswesen, staatliche
Infrastrukturen, Geldwesen, eine politische Kultur, die ein Privateigentum und Zinsen grundsätzlich akzeptiert, Handelsstrukturen,
gemeinsame Grundlagen von Werten, Bildung, Gesundheit, Wissenschaft und vieles mehr. Das alles ist keineswegs selbstverständlich!
Es gibt in der heutigen Wirtschaft praktisch keine rein "eigene Leistung" mehr!
Das ist eine historische Gemeinschaftsleistung, deren Nutzen auch der Gemeinschaft zugute kommen muß, indem alle von den
Erträgnissen bekommen und weniger arbeiten müssen.
gesellschaftliche Veränderung ist notwendig
Angesichts der globalen Probleme, die sich zu einer Metakrise des Systems entwickelt haben,
kommen wir mit "alten" Mitteln nicht mehr weiter. Dieser Abschnitt soll ins Bewußtsein bringen, daß es sich bei dem bedingungslosen Grundeinkommen nicht um eine isolierte politische Maßnahme handelt, sondern eine Komponente von weiteren tiefgreifenden Veränderungen ist. gesellschaftliche Verteilungskämpfe
Bekanntlich erschöpfen sich die Vorräte von wichtigen Rohstoffen, auf die unser Wirtschaftssystem aufbaut. Beim Öl ist das Maximum der Förderung
bereits erreicht oder überschritten (siehe z.B. Peak Oil).
Bei geringer werdendem Angebot und weiter ansteigender Nachfrage werden die Preise massiv steigen. Aber selbst höhere Preise ändern nichts daran,
daß die auf diesen Stoffen - vor allem Öl - beruhende Produktion geringer wird, also schrumpft. Wir müssen uns auf gigantische Verteilungskämpfe
einstellen, die womöglich gewaltsam ausgetragen werden. Doch auch (militärische) Gewalt kann das Öl nicht vermehren. Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen realisieren wir ein völlig neues Verteilungsmuster, das die kommenden Verteilungsprobleme vielleicht etwas besser lösen kann, weil neue Kriterien gelten.
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